Svenja Leiber

»Man müsse also ein Bergwerk graben. Aber unter Treibsand, unter ein schwimmendes Gebirge.«

 

 

 

 

 

Kazimira, 2021, Suhrkamp Verlag

Rezensionen Kazimira

 

»Svenja Leiber erzählt in ihrem Roman von Frauenschicksalen, die über Jahrhunderte miteinander verbunden sind. (...) Mit sensibler Sprachmacht und angemessen großer Geste lässt Svenja Leiber in „Kazimira“ die Vergangenheit lebendig werden – in ihrer ganzen Grausamkeit.«

Miriam Zeh, Deutschlandfunk Kultur, 24.09. 2021

 

»Da ist Kazimira: groß und schmal, mit scharfen Instinkten und wenigen Worten. Eine wie sie gab es vielleicht noch nie in der Literatur. Das Meer, der Wind, der Bernstein sind ihr näher als die meisten Menschen. Sie stört die Geschlechterordnung, als andere noch Krinoline tragen: schneidert sich Hosen, schneidet sich den Zopf ab. Sie will "kein Kindchen" und wird doch eins bekommen. (…)

Sechzehn Jahre nach ihrem Debüt, dem Erzählungsband "Büchsenlicht", und nach den drei Romanen "Schipino", "Das letzte Land" und "Staub" gelingt Svenja Leiber das Kunststück, die Schichten der Geschichte eines wenig beachteten Winkels Europas auszuleuchten und dabei ganz gegenwärtige Gesichter, eindrückliche Landschaftsbilder und verschüttete Verbindungen bis in die Gegenwart sichtbar zu machen.«

Natascha Freundel, rbb, 21.9.2021

 

»...Vor allem die frühen Teile von Svenja Leibers Geschichte haben alttestamentarisches Kinoformat. (…) In ihren bestürzend genauen Sätzen fasst Svenja Leiber die aufgeklärten Menschen des 19. Jahrhunderts selbst wie in Bernstein. Ihre Unschuld scheint in unsere Zeiten herüberzuschimmern, aber die harten Brüche des Romans zeigen: Es ist alles nicht wahr. Die Unschuld ist nur eine Idee und noch weniger wirklich als ein Fliegenbein, das uns aus dem Harz des Eozäns entgegenleuchtet.«

Paul Jandl, NZZ, 8.9.2021

 

»… am Ende (...) kommt man doch nicht umhin, sich vor der Autorin zu verbeugen. In dem Buch steckt nicht nur eine gewaltige Recherche, sondern auch eine Menge Herzblut. (…) Ihre Sprache ist überaus beweglich: mal emphatisch, mal überbordend metaphorisch, dann wieder sachlich, geradezu spröde und manchmal von Sarkasmus erfüllt. (…)

Svenja Leiber hat thematisch höchst unterschiedliche Romane und Erzählungen verfasst. (…) Sie gehört zu jenen Autoren, die etwas riskieren.«

Ulrich Greiner, 19.8.2021 DIE ZEIT

 

»Subtil schildert die 1975 geborene Autorin, auf welch leisen Sohlen sich der Antisemitismus anschleicht und den sozial denkenden Grubenchef Hirschberg zur Aufgabe zwingt. Kazimira dagegen wird wegen einer lesbischen Affäre mit der Frau des Bergwerksgeologen auf offener Straße verprügelt. Bei all dem erweist Leiber sich als begnadete Wortmalerin. Mit wenigen Sätzen baut sie eine ganze Welt auf: (...) Wie in einem Spielfilm mit hart geschnittenen Einzelszenen springt die Haupthandlung zwischendurch immer wieder unverhofft in eine Beinah-noch-Gegenwart. (...) Im postkommunistischen Putin-Land schließt sich der Kreis dieses grandiosen Erzählpanoramas, dessen zentrales Gedächtnisbild der Bernstein bleibt. Er umschließt all die traurigen Erinnerungen wie ein uraltes Insekt.«

Georg Leisten, 14.8.2021 Südwest Presse

 

»In ihrem dritten bei Suhrkamp eben erschienenen Roman KAZIMIRA entwirft Svenja Leiber ein starkes psychogeografisches Porträt der Landschaft um Palmnicken, heute Jantarnyj, nordwestlich von Kaliningrad. (…) Es wird gearbeitet, geliebt, gelitten, gebacken und angerichtet, viel angerichtet; es wird ausgewandert, ausgegrenzt, denunziert, gebrandschatzt, gemordet, gestorben und immer wieder geboren. Am Rand der „Annagrube“ türmt sich wie nebenbei der Aushub von anderthalb Jahrhunderten. Dass sich darunter bei allem Elend ein Leuchten verbirgt, fördert Svenja Leibers forschende und funkelnde Erzählkunst eindrücklich zutage.«

Birgit Böhnke, MaKULaTUR Lübeck